Durchführung von Besichtigungsterminen
Handbuch | Besichtigung
Der Besichtigungstermin ist einer der entscheidenden Momente im Immobilienverkauf. Hier entscheidet sich, ob aus einem Interessenten ein ernsthafter Käufer wird – oder ob er nach dem Rundgang das Objekt wieder aus seinem Kopf streicht. Eine gut durchgeführte Besichtigung weckt Emotionen, beantwortet Fragen und schafft Vertrauen. Eine schlecht vorbereitete hingegen kann selbst eine attraktive Immobilie in einem schlechten Licht erscheinen lassen. Wer Besichtigungen professionell angeht, erhöht nicht nur die Verkaufschancen – er verkürzt auch die Zeit bis zum Abschluss erheblich.
Vorbereitung ist die halbe Miete
Bevor der erste Interessent die Türschwelle betritt, sollte alles stimmen. Eine gründliche Vorbereitung ist der Grundstein für eine erfolgreiche Besichtigung – und sie beginnt lange vor dem eigentlichen Termin.
Zunächst geht es um die Immobilie selbst. Sie sollte sauber, aufgeräumt und ansprechend präsentiert sein. Kleine Schönheitsfehler, die im Alltag kaum auffallen, wirken bei einer Besichtigung oft stärker als erwartet. Ein frischer Anstrich in einem abgenutzten Zimmer, ein gepflegter Garten oder ein aufgeräumter Keller können den Gesamteindruck deutlich verbessern. Es geht nicht darum, Mängel zu verstecken, sondern darum, die Stärken der Immobilie klar herauszuarbeiten.
Auch die Atmosphäre zählt. Helles Licht, angenehme Temperaturen und ein frischer Geruch wirken einladend. Wer die Möglichkeit hat, den Termin bei Tageslicht zu planen, sollte das tun – natürliches Licht lässt Räume freundlicher und grosszügiger wirken.
Den richtigen Zeitpunkt wählen
Der Zeitpunkt einer Besichtigung beeinflusst den Eindruck stärker, als viele denken. Eine Immobilie mit schöner Aussicht oder einem attraktiven Garten wirkt bei Sonnenschein ganz anders als bei Regen und Grau. Wenn immer möglich, sollten Besichtigungen so geplant werden, dass die Vorzüge der Liegenschaft optimal zur Geltung kommen.
Auch der Wochentag und die Tageszeit spielen eine Rolle. Viele Kaufinteressenten bevorzugen Abendtermine oder Wochenendbesichtigungen, weil sie tagsüber arbeiten. Wer flexibel ist und verschiedene Zeitfenster anbietet, erreicht mehr Interessenten und signalisiert gleichzeitig Kundenorientierung.
Der Ablauf einer professionellen Besichtigung
Eine gut strukturierte Besichtigung folgt einem klaren Ablauf – ohne dabei steif oder schematisch zu wirken. Am Anfang stehen das Begrüssen der Interessenten und ein kurzes Einstiegsgespräch. Wer sind die Personen? Was suchen sie? Welche Aspekte sind ihnen besonders wichtig? Diese Informationen helfen dabei, die Besichtigung gezielt auf die Bedürfnisse der Interessenten auszurichten.
Dann folgt der Rundgang durch die Immobilie. Eine bewährte Reihenfolge beginnt mit den repräsentativen Räumen – Eingang, Wohnzimmer, Küche – bevor es in die Schlafzimmer, Badezimmer und Nebenräume geht. Am Ende stehen Keller, Garage und Aussenbereich. Dieser Aufbau sorgt dafür, dass der erste Eindruck positiv ist und die Immobilie gut in Erinnerung bleibt.
Informieren ohne zu überfordern
Während des Rundgangs ist die richtige Balance zwischen Information und Raum entscheidend. Interessenten brauchen faktenbasierte Informationen – Baujahr, Wohnfläche, Zustand der Heizung, letzte Renovierungen – aber sie brauchen auch Zeit und Stille, um die Immobilie auf sich wirken zu lassen. Wer bei jeder Besichtigung einen Vortrag hält und kaum Pausen lässt, überfordert die Interessenten und verhindert, dass echte Emotionen entstehen.
Ein guter Makler kennt die Immobilie in- und auswendig und kann Fragen präzise beantworten. Er weiss, welche Punkte Käufer besonders interessieren:
- Wie hoch sind die monatlichen Nebenkosten?
- Wann wurde die Heizung zuletzt erneuert?
- Gibt es bekannte Mängel oder laufende Renovierungen?
- Wie ist die Parksituation, und was gehört zum Objekt?
Ehrliche Antworten auf diese Fragen schaffen Vertrauen – und Vertrauen ist die Grundlage jedes erfolgreichen Kaufabschlusses.
Nach der Besichtigung: Feedback einholen und nachfassen
Eine Besichtigung endet nicht mit dem Verlassen des Objekts. Was danach passiert, ist mindestens genauso wichtig. Ein guter Betreuer holt zeitnah Feedback ein – idealerweise noch am selben Tag oder am nächsten Morgen. Wie hat die Immobilie gewirkt? Was hat gefallen, was weniger? Gibt es offene Fragen?
Dieses Feedback ist wertvoll – nicht nur für die Beziehung zum Interessenten, sondern auch für den gesamten Verkaufsprozess. Wenn mehrere Interessenten denselben Punkt kritisieren – zum Beispiel den Grundriss oder den Zustand der Küche – kann das ein Hinweis sein, der bei der weiteren Vermarktung berücksichtigt werden sollte.
Virtuelle Besichtigungen als Ergänzung
Neben den klassischen Besichtigungen vor Ort haben sich in den letzten Jahren virtuelle Rundgänge als sinnvolle Ergänzung etabliert. Sie ermöglichen es Interessenten, eine Immobilie rund um die Uhr und von überall aus zu erkunden – ohne einen Termin vereinbaren zu müssen. Das filtert unpassende Anfragen heraus und sorgt dafür, dass nur wirklich interessierte Personen eine physische Besichtigung anfragen.
Für Immobilien in der Schweiz mit besonderer Lage oder aussergewöhnlicher Ausstattung können auch Drohnenaufnahmen oder 3D-Visualisierungen den Eindruck verstärken und das Interesse vor der eigentlichen Besichtigung wecken. Diese Instrumente ersetzen den persönlichen Termin nicht – aber sie bereiten ihn optimal vor.
Der Besichtigungstermin als Weichenstellung
Ein Besichtigungstermin ist mehr als eine Besichtigung. Er ist der Moment, in dem Käufer und Immobilie aufeinandertreffen – und in dem der Makler zeigt, ob er seinen Job wirklich beherrscht. Wer gut vorbereitet ist, professionell auftritt und den Interessenten als Menschen wahrnimmt, legt in diesem Moment den Grundstein für einen erfolgreichen Immobilienverkauf in der Schweiz. Denn letztlich kaufen Menschen keine Quadratmeter – sie kaufen ein Zuhause. Und wie dieses Gefühl entsteht, hängt massgeblich davon ab, wie die Besichtigung gestaltet wird.
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