Preisstrategie beim Hausverkauf

Handbuch | Strategie

Der Verkaufspreis ist eine der wichtigsten Entscheidungen beim Hausverkauf – und gleichzeitig eine der schwierigsten. Zu hoch angesetzt, und das Inserat verstaubt wochenlang online. Zu tief, und man verschenkt bares Geld. Die richtige Preisstrategie liegt irgendwo dazwischen: Sie basiert auf einer fundierten Bewertung, berücksichtigt die aktuelle Marktlage und lässt genug Spielraum für Verhandlungen. Wer diese Grundsätze versteht und konsequent anwendet, hat gute Chancen auf einen erfolgreichen Abschluss – zum bestmöglichen Preis und in vernünftiger Zeit.

Der Angebotspreis: Zwischen Wunsch und Realität

Viele Eigentümer haben eine emotionale Bindung an ihre Immobilie. Das ist verständlich – aber es kann dazu führen, dass der Angebotspreis zu hoch angesetzt wird. Ein Haus, in dem man zwanzig Jahre gelebt hat, hat für den Besitzer einen anderen Wert als für einen fremden Käufer. Der Markt kennt diese Emotionen nicht. Er orientiert sich an Fakten: Lage, Zustand, Grösse und vergleichbare Transaktionen in der Umgebung.

Ein realistischer Angebotspreis basiert deshalb auf einer professionellen Immobilienbewertung. Sie liefert einen marktgerechten Wert, der weder zu hoch noch zu tief ist. Auf dieser Basis kann der endgültige Angebotspreis festgelegt werden – unter Berücksichtigung der aktuellen Immobilienpreise in der Region und der Nachfragesituation.

Warum ein zu hoher Preis schadet

Ein überhöhter Angebotspreis ist einer der häufigsten Fehler beim Hausverkauf. Er mag verlockend erscheinen – schliesslich möchte man das Maximum herausholen. In der Praxis führt er jedoch oft zum Gegenteil. Interessenten, die den Markt kennen, erkennen sofort, wenn ein Preis unrealistisch ist. Das Inserat bekommt wenig Anfragen, und wenn es nach Wochen oder Monaten immer noch online ist, entsteht der Eindruck, dass mit dem Objekt etwas nicht stimmt.

Wer dann den Preis senken muss, verliert doppelt: Zeit und Verhandlungsmacht. Käufer, die ein Inserat mit mehrfachen Preissenkungen sehen, gehen davon aus, dass noch mehr Spielraum besteht – und verhandeln aggressiver. Ein realistischer Startpreis vermeidet diesen Teufelskreis.

Spielraum für Verhandlungen einplanen

Gleichzeitig ist es üblich und legitim, beim Angebotspreis einen kleinen Verhandlungsspielraum einzuplanen. In der Schweiz sind Preisverhandlungen beim Immobilienverkauf normal. Käufer erwarten in der Regel, dass sie noch etwas verhandeln können. Wer diesen Spielraum bewusst einkalkuliert, kann im Gespräch Zugeständnisse machen, ohne unter den eigentlich angestrebten Preis zu fallen.

Wie gross dieser Puffer sein sollte, hängt von der Marktlage und dem Objekt ab. Ein erfahrener Immobilienmakler kann hier wertvolle Einschätzungen liefern – er kennt die üblichen Verhandlungsmargen in der jeweiligen Region und weiss, wie stark der Markt gerade ist.

Die Rolle der Marktlage

Die Preisstrategie lässt sich nicht losgelöst von der aktuellen Marktlage entwickeln. In einem Verkäufermarkt – also wenn die Nachfrage das Angebot übersteigt – hat der Verkäufer mehr Spielraum und kann einen höheren Preis ansetzen. In einem Käufermarkt, wenn viele vergleichbare Objekte verfügbar sind, ist Zurückhaltung angebracht.

Die Immobilienpreise in der Schweiz haben sich in den letzten Jahren je nach Region sehr unterschiedlich entwickelt. Städte wie Zürich, Genf oder Basel verzeichneten lange Zeit stark steigende Preise, während ländliche Regionen stabiler blieben. Wer seinen Markt kennt, kann die Preisstrategie entsprechend ausrichten.

Das Bieterverfahren als Alternative

In besonders gefragten Lagen oder bei aussergewöhnlichen Objekten kann das Bieterverfahren beim Hausverkauf eine interessante Option sein. Dabei wird die Immobilie ohne fixen Angebotspreis oder mit einem bewusst tiefen Startpreis inseriert, um möglichst viele Interessenten anzuziehen. Diese geben dann innerhalb einer bestimmten Frist Kaufangebote ab – der Verkäufer entscheidet anschliessend, welches Angebot er annimmt.

Das Bieterverfahren kann den Verkaufspreis in die Höhe treiben, birgt aber auch Risiken: Bleibt der Bieterwettbewerb aus, endet man möglicherweise mit einem tieferen Preis als erwartet. Es eignet sich deshalb nicht für jede Immobilie und sollte sorgfältig abgewogen werden.

Timing und Präsentation beeinflussen den Preis

Die Preisstrategie ist nicht nur eine Frage der Zahl – auch Timing und Präsentation spielen eine Rolle. Eine Immobilie, die zum richtigen Zeitpunkt und in bestem Zustand auf den Markt kommt, erzielt in der Regel einen besseren Preis als eine, die überstürzt und schlecht vorbereitet inseriert wird.

Folgende Punkte können den erzielbaren Preis positiv beeinflussen:

  • Professionelle Fotos und ein ansprechendes Exposé
  • Kleine Aufwertungen vor dem Verkauf, zum Beispiel frische Farbe, gepflegter Garten oder behobene Kleinschäden
  • Der richtige Inserierungszeitpunkt – Frühjahr und Herbst gelten in der Schweiz als besonders aktive Marktphasen
  • Ein virtueller Rundgang, der Interessenten schon vor der Besichtigung begeistert

«Welche Renovierungen erhöhen den Immobilienwert am meisten?» – das hängt vom Objekt ab, aber erfahrungsgemäss zahlen sich Investitionen in Küche, Bad und energetische Sanierungen besonders gut aus.

Den richtigen Moment für eine Preisanpassung erkennen

Manchmal läuft ein Verkauf trotz guter Vorbereitung nicht wie erwartet. Wenn nach mehreren Wochen kaum Anfragen eingehen oder Besichtigungen zwar stattfinden, aber keine Angebote folgen, kann das ein Signal sein, dass der Preis nicht stimmt. In diesem Fall ist eine Anpassung sinnvoll – aber sie sollte dosiert und begründet erfolgen, nicht als Panikreaktion.

Ein guter Makler beobachtet den Verlauf des Verkaufsprozesses genau und spricht offen an, wenn eine Kurskorrektur nötig ist. Diese Transparenz ist wertvoll – denn eine rechtzeitige Preisanpassung ist besser als monatelanger Stillstand.

Eine Strategie, die zum Objekt passt

Es gibt keine universelle Preisstrategie, die für jede Immobilie funktioniert. Was zählt, ist eine Kombination aus fundierter Hausbewertung, realistischer Einschätzung der Marktlage und einer klaren Vorstellung davon, was man erreichen möchte. Wer diese drei Elemente zusammenbringt – am besten mit einem erfahrenen Partner an der Seite – legt den Grundstein für einen Hausverkauf, der sowohl finanziell als auch zeitlich zum Erfolg wird.

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