Marktwert einer Immobilie bestimmen

Handbuch | Immobilienmarkt

Den Marktwert einer Immobilie zu kennen, ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für einen erfolgreichen Verkauf. Wer seinen Angebotspreis auf einer soliden Basis festlegt, vermeidet typische Fehler – und schützt sich vor unnötigen Verlusten oder einer langen Verkaufsdauer. Doch wie entsteht ein Marktwert eigentlich, und welche Faktoren spielen dabei eine Rolle? Dieser Text gibt einen verständlichen Überblick über das Thema und erklärt, worauf es bei der Wertermittlung wirklich ankommt.

Was ist der Marktwert einer Immobilie?

Der Marktwert – auch Verkehrswert genannt – ist der Preis, den eine Immobilie unter normalen Marktbedingungen zum aktuellen Zeitpunkt erzielen würde. Er ist weder der Wunschpreis des Verkäufers noch das niedrigste Angebot eines Käufers, sondern eine objektive Einschätzung auf Basis von Marktdaten, Vergleichsobjekten und den spezifischen Eigenschaften der Liegenschaft.

Der Marktwert ist keine feste Grösse – er verändert sich mit dem Markt. Immobilienpreise können je nach wirtschaftlicher Lage, Zinsentwicklung und regionaler Nachfrage steigen oder fallen. Deshalb ist es wichtig, den Wert einer Immobilie nicht einmalig zu bestimmen und dann jahrelang daran festzuhalten, sondern ihn regelmässig zu überprüfen – besonders wenn ein Verkauf geplant ist.

Der Unterschied zwischen Marktwert und Angebotspreis

Ein häufiges Missverständnis: Marktwert und Angebotspreis sind nicht dasselbe. Der Marktwert ist das Ergebnis einer fundierten Bewertung. Der Angebotspreis ist der Preis, zu dem eine Immobilie inseriert wird – und er kann vom Marktwert abweichen, je nach Verhandlungsstrategie und Marktlage.

Erfahrene Makler empfehlen, den Angebotspreis nah am Marktwert anzusetzen. Ein realistischer Preis zieht mehr ernsthafte Interessenten an, verkürzt die Verkaufsdauer und führt in der Regel zu einem besseren Endresultat. Wer den Preis zu hoch ansetzt, riskiert, dass das Inserat über Monate online bleibt – was potenzielle Käufer misstrauisch macht.

Welche Faktoren beeinflussen den Marktwert?

«Was beeinflusst den Immobilienwert?» – die Antwort ist komplex, denn viele Faktoren spielen gleichzeitig eine Rolle. Bei einer professionellen Immobilienbewertung werden diese systematisch erfasst und gewichtet. Grundsätzlich lassen sie sich in drei Bereiche einteilen.

Lage: Die Lage ist der wichtigste Werttreiber einer Immobilie – und der einzige, der sich nicht verändern lässt. Dabei unterscheidet man zwischen der Makrolage, also der Region und Gemeinde mit Faktoren wie Infrastruktur, Steuern und Arbeitsmarkt, und der Mikrolage, also der unmittelbaren Umgebung mit Schulen, Einkaufsmöglichkeiten, Grünflächen und Verkehrsanbindung.

Objekt: Baujahr, Zustand, Grundrissgrösse, Zimmerzahl, Ausbaustandard und durchgeführte Renovierungen beeinflussen den Wert direkt. Eine frisch sanierte Liegenschaft erzielt in der Regel einen höheren Preis als ein vergleichbares Objekt mit Renovierungsbedarf.

Markt: Angebot und Nachfrage in der jeweiligen Region, aktuelle Hypothekarzinsen und die allgemeine Wirtschaftslage wirken sich auf den erzielbaren Preis aus. In Zeiten tiefer Zinsen und hoher Nachfrage steigen die Preise, in unsicheren Zeiten können sie stagnieren oder sinken.

Wertsteigernde und wertmindernde Faktoren

Nicht alle Eigenschaften einer Immobilie lassen sich klar einer Kategorie zuordnen. Manche wirken je nach Käufergruppe positiv oder negativ. Folgende Faktoren können den Immobilienwert steigern:

  • Hochwertige Küche oder Badezimmer
  • Gut gepflegter Garten oder Aussenbereich
  • Energetische Sanierungen wie neue Heizung oder Isolierung
  • Ruhige Lage mit guter Aussicht

Wertmindernd wirken hingegen Faktoren wie Lärm- oder Geruchsimmissionen, Renovierungsstau, ungünstige Grundrisse oder eine schlechte Anbindung an den öffentlichen Verkehr. Ein erfahrener Bewerter kennt diese Nuancen und kann sie korrekt einordnen.

Wie wird der Marktwert ermittelt?

«Wie wird der Wert einer Immobilie berechnet?» – in der Schweiz kommt dabei meist die hedonische Methode zum Einsatz. Sie vergleicht die Liegenschaft statistisch mit einer grossen Zahl ähnlicher Objekte und deren tatsächlich erzielten Verkaufspreisen. Über 70 Eigenschaften werden dabei erfasst und gewichtet. Das Ergebnis ist ein datenbasierter Marktwert, der objektiv und nachvollziehbar ist.

Für Renditeobjekte wie Mehrfamilienhäuser wird ergänzend das Ertragswertverfahren herangezogen. Dabei stehen die erzielbaren Mieteinnahmen im Vordergrund. Für besondere Liegenschaften – Liebhaberobjekte, gemischte Bauten oder historische Gebäude – braucht es eine traditionelle Expertenbesichtigung, weil statistische Vergleichsdaten hier an ihre Grenzen stossen.

Der Marktwert als Grundlage für Banken

Nicht nur beim Verkauf, sondern auch bei der Finanzierung spielt der Marktwert eine zentrale Rolle. Banken und Kreditinstitute verlangen für die Vergabe einer Hypothek eine anerkannte Bewertung der Liegenschaft. Sie belehnen in der Regel bis zu 80 % des Marktwertes – nicht des Kaufpreises. Wer den Marktwert seiner Immobilie kennt, kann seinen finanziellen Spielraum besser einschätzen und Verhandlungen mit Finanzierungspartnern gezielter führen.

Online-Schätzung als Einstieg

Viele Eigentümer nutzen heute zunächst ein digitales Tool, um die Immobilie kostenlos online schätzen zu lassen. Das ist ein sinnvoller erster Schritt, der innerhalb weniger Minuten einen groben Richtwert liefert. Für eine verbindliche Grundlage – sei es für den Verkauf, eine Finanzierung oder eine Erbschaft – reicht die Online-Schätzung allein jedoch nicht aus. Sie sollte stets durch eine professionelle Expertenbewertung ergänzt werden.

Den Marktwert richtig nutzen

Wer den Marktwert seiner Immobilie kennt, hat einen klaren Vorteil – bei Verkaufsverhandlungen, bei der Zusammenarbeit mit Banken und beim allgemeinen Verständnis des eigenen Vermögens. Ein realistischer, gut begründeter Marktwert ist die Basis für alle weiteren Entscheidungen rund um die Liegenschaft. Es lohnt sich deshalb, diesen Schritt sorgfältig anzugehen und auf die Einschätzung erfahrener Fachleute zu setzen – anstatt sich auf Bauchgefühl oder Vergleiche mit Nachbarliegenschaften zu verlassen.

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