Methoden der Immobilienbewertung
Handbuch | Bewertung
Wer den Wert einer Immobilie ermitteln möchte, hat verschiedene Möglichkeiten. Die Wahl der richtigen Methode hängt dabei vom Objekt, dem Zweck der Bewertung und dem gewünschten Detailgrad ab. In der Schweiz kommen vor allem drei Bewertungsansätze zum Einsatz – und jeder davon hat seine Stärken und Grenzen. Wer die Unterschiede kennt, kann besser einschätzen, welches Verfahren für die eigene Liegenschaft geeignet ist und worauf man bei einer professionellen Bewertung achten sollte.
Die drei wichtigsten Bewertungsmethoden im Überblick
Eine Immobilienbewertung ist kein Einheitsverfahren. Je nach Art der Liegenschaft und Fragestellung greifen Experten auf unterschiedliche Methoden zurück. Die drei gebräuchlichsten sind die hedonische Methode, das Ertragswertverfahren und die traditionelle Schätzung durch einen Experten vor Ort. In der Praxis werden diese Methoden teilweise auch kombiniert, um ein möglichst vollständiges Bild zu erhalten.
Die hedonische Bewertungsmethode
Die hedonische Bewertungsmethode ist in der Schweiz weit verbreitet und gilt als besonders objektiv. Sie wird auch als Vergleichswertmethode oder statistische Methode bezeichnet. Das Prinzip dahinter ist einfach: Die Immobilie wird mit einer grossen Zahl vergleichbarer Objekte und deren tatsächlich erzielten Verkaufspreisen abgeglichen. Dabei werden über 70 Eigenschaften der Liegenschaft erfasst und gewichtet.
«Was ist die hedonische Bewertungsmethode?» – sie berücksichtigt sowohl die Makrolage, also Faktoren wie Infrastruktur, Steuern und Verkehrsanbindung der Region, als auch die Mikrolage, also die Nähe zu Schulen, Einkaufsmöglichkeiten und öffentlichen Verkehrsmitteln. Hinzu kommen quantitative Merkmale wie Grundrissgrösse, Zimmerzahl und Volumen sowie qualitative Faktoren wie Baujahr, Zustand und Ausbaustandard.
Ein grosser Vorteil dieser Methode ist, dass sie ortsunabhängig durchgeführt werden kann. Sie bildet die Grundlage für viele Online-Immobilienbewertungen und liefert zuverlässige Ergebnisse für klassische Wohnimmobilien wie Einfamilienhäuser und Eigentumswohnungen. Für aussergewöhnliche Objekte – etwa Liebhaberliegenschaften oder gemischte Wohn- und Geschäftshäuser – stösst sie jedoch an ihre Grenzen.
Das Ertragswertverfahren
Beim Ertragswertverfahren steht nicht der Vergleich mit ähnlichen Objekten im Vordergrund, sondern die Frage: Welchen Ertrag wirft die Immobilie ab? Diese Methode kommt vor allem bei Renditeobjekten zum Einsatz – also bei Mehrfamilienhäusern, Gewerbeliegenschaften oder anderen Objekten, die vermietet werden oder vermietet werden sollen.
Der Ertragswert ergibt sich aus den jährlichen Mieteinnahmen, abzüglich Bewirtschaftungskosten, dividiert durch einen Kapitalisierungssatz. Dieser Kapitalisierungssatz hängt von Lage, Zustand und Marktbedingungen ab und wird vom Bewerter festgelegt. «Wie wird ein Renditeobjekt bewertet?» – das Ertragswertverfahren gibt darauf eine fundierte Antwort, weil es den wirtschaftlichen Nutzen der Liegenschaft in den Mittelpunkt stellt.
Für selbstgenutzte Wohnimmobilien ist diese Methode weniger geeignet, da hier kein direkter Mietertrag erzielt wird.
Die traditionelle Expertenbewertung
Die traditionelle Bewertung durch einen erfahrenen Experten vor Ort ist die älteste und in vielen Fällen nach wie vor die zuverlässigste Methode – besonders bei aussergewöhnlichen oder schwer vergleichbaren Liegenschaften. Der Experte besichtigt die Immobilie persönlich, nimmt alle relevanten Daten auf und erstellt anschliessend ein detailliertes Gutachten.
«Was kostet eine Immobilienbewertung?» – das hängt vom Aufwand und der Art des Gutachtens ab. Eine einfache Schätzung ist günstiger als ein vollständiges Immobiliengutachten, das beispielsweise für Bankfinanzierungen oder rechtliche Auseinandersetzungen benötigt wird. Wichtig zu wissen: Viele seriöse Makler bieten eine professionelle Expertenbewertung kostenlos an, wenn der Verkaufsauftrag an sie erteilt wird.
Online-Bewertung versus professionelle Schätzung
Neben den klassischen Methoden haben sich in den letzten Jahren digitale Tools etabliert, mit denen man die Immobilie kostenlos online schätzen lassen kann. Diese Online-Rechner basieren meist auf der hedonischen Methode und liefern innerhalb weniger Minuten einen ersten Richtwert.
«Ist die Immobilienbewertung online wirklich kostenlos?» – ja, seriöse Anbieter stellen solche Tools tatsächlich gratis zur Verfügung. Der Haken: Das Ergebnis ist eine Grobschätzung, keine belastbare Wertermittlung. Für eine erste Orientierung ist die Online-Bewertung ideal. Wer jedoch ernsthaft verkaufen, eine Finanzierung beantragen oder eine Erbschaft regeln möchte, kommt um eine professionelle Bewertung nicht herum.
Die Unterschiede zwischen den beiden Ansätzen lassen sich so zusammenfassen:
- Die Online-Bewertung ist schnell, kostenlos und liefert eine grobe Einschätzung auf Basis statistischer Daten.
- Eine professionelle Expertenbewertung ist detaillierter, berücksichtigt individuelle Eigenschaften der Liegenschaft und ist für Banken sowie für rechtliche Zwecke anerkannt.
Welche Methode passt zu welcher Immobilie?
Die Wahl der Bewertungsmethode hängt letztlich vom Objekt und vom Zweck ab. Für eine klassische Eigentumswohnung oder ein Einfamilienhaus ist die hedonische Methode in den meisten Fällen gut geeignet. Für Renditeobjekte wie Mehrfamilienhäuser empfiehlt sich das Ertragswertverfahren. Und für besondere Liegenschaften – ob Luxusvilla, denkmalgeschütztes Gebäude oder gemischte Liegenschaft – führt kein Weg an einer traditionellen Expertenbewertung vorbei.
«Wie funktioniert eine Immobilienbewertung?» – es gibt keine universelle Antwort, weil es keine universelle Methode gibt. Ein erfahrener Makler oder Bewerter wählt das geeignete Verfahren situationsgerecht aus und erklärt transparent, wie das Ergebnis zustande kommt. Wer das versteht, kann den ermittelten Wert besser einordnen – und auf dieser Basis fundierte Entscheidungen treffen.
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