Verkaufsdauer von Immobilien einschätzen
Handbuch | Verkaufsprozess
Wie lange dauert es, eine Immobilie zu verkaufen? Diese Frage stellen sich fast alle Eigentümer, die über einen Verkauf nachdenken – und die Antwort ist leider nicht pauschal. Die Verkaufsdauer hängt von einer Reihe von Faktoren ab, die sich teilweise beeinflussen lassen und teilweise nicht. Wer diese Faktoren kennt und versteht, kann realistische Erwartungen entwickeln, den Prozess besser planen und gezielt Massnahmen ergreifen, um die Zeit bis zum Abschluss zu verkürzen. Dieser Text gibt einen ehrlichen Überblick darüber, was die Verkaufsdauer beeinflusst – und was Verkäufer selbst in der Hand haben.
Was die Verkaufsdauer beeinflusst
«Wie lange dauert es, ein Haus zu verkaufen?» – in der Schweiz dauert ein Immobilienverkauf im Durchschnitt zwischen drei und sechs Monaten, vom ersten Inserat bis zur notariellen Beurkundung. Diese Zahl ist jedoch ein grober Richtwert. In gefragten städtischen Lagen wie Zürich oder Basel können Objekte deutlich schneller verkauft werden – manchmal innerhalb weniger Wochen. In ländlichen oder strukturschwächeren Regionen kann es hingegen deutlich länger dauern.
Der wichtigste Einzelfaktor ist der Preis. Eine Immobilie, die zum richtigen Marktpreis angeboten wird, findet in der Regel schneller einen Käufer als eine, die überteuert inseriert ist. Ein zu hoher Angebotspreis führt dazu, dass das Inserat lange online bleibt, wenige ernsthafte Anfragen generiert und schliesslich mit einer Preissenkung korrigiert werden muss – was zusätzliche Zeit kostet und das Vertrauen potenzieller Käufer untergräbt.
Lage und Nachfrage
Die Lage einer Immobilie ist der zweite entscheidende Faktor. In Regionen mit hoher Nachfrage und knappem Angebot – etwa in grossen Agglomerationen oder attraktiven Seegemeinden – verkaufen sich Objekte schnell. Dort ist die Konkurrenz unter Kaufinteressenten hoch, und gut präsentierte Immobilien zum richtigen Preis erzielen oft innerhalb kurzer Zeit ein Angebot.
In Regionen mit einem Überangebot an vergleichbaren Objekten ist die Situation umgekehrt: Käufer haben die Wahl, und Verkäufer müssen sich stärker anstrengen, um aufzufallen. Hier zahlt sich eine besonders sorgfältige Vermarktung aus – professionelle Fotos, ein überzeugendes Exposé und Präsenz auf allen relevanten Kanälen machen einen deutlich grösseren Unterschied als in einem angespannten Markt.
Objekttyp und Zustand
Auch der Typ und der Zustand der Immobilie beeinflussen die Verkaufsdauer erheblich. Einfamilienhäuser in gutem Zustand und mit attraktivem Grundriss sind in der Regel leichter zu verkaufen als sanierungsbedürftige Objekte oder solche mit ungewöhnlichen Grundrissen. Eigentumswohnungen in zentralen Lagen mit guter Anbindung verkaufen sich ebenfalls meist schneller als Grossobjekte oder spezielle Liegenschaften wie Bauernhäuser oder Gewerbeobjekte.
Beim Zustand gilt: Was sich vorab mit überschaubarem Aufwand verbessern lässt, sollte verbessert werden. Frische Farbe, ein aufgeräumter Keller, ein gepflegter Garten – solche Massnahmen kosten wenig, verbessern aber den Gesamteindruck erheblich und können den Unterschied machen zwischen einer Immobilie, die sofort Interesse weckt, und einer, die potenzielle Käufer zögern lässt.
Wie Verkäufer die Verkaufsdauer aktiv beeinflussen können
So sehr die Lage und der Markt die Ausgangslage bestimmen – Verkäufer haben mehr Einfluss auf die Verkaufsdauer als viele denken. Die wichtigsten Stellschrauben sind Preis, Präsentation und Vermarktung.
Ein realistischer Angebotspreis, der auf einer fundierten Immobilienbewertung basiert, ist die effektivste Massnahme, um die Verkaufsdauer zu reduzieren. Er zieht mehr und ernsthaftere Interessenten an und verhindert, dass das Inserat zum Dauerbrenner wird. Eine professionelle Bewertung durch einen erfahrenen Makler gibt Verkäufern die Sicherheit, den richtigen Preis festzulegen – weder zu hoch noch zu tief.
Folgende Massnahmen helfen zusätzlich, die Verkaufsdauer zu verkürzen:
- Professionelle Fotos und ein überzeugendes Exposé erstellen lassen
- Die Immobilie auf mehreren Plattformen gleichzeitig inserieren
- Besichtigungstermine flexibel und kurzfristig anbieten
- Auf Anfragen schnell und professionell reagieren
- Allfällige Mängel vorab beheben oder offen kommunizieren
Der Einfluss des Marktumfelds
Neben den objektspezifischen Faktoren spielt auch das allgemeine Marktumfeld eine wichtige Rolle. Hypothekarzinsen, Konjunkturlage und das Verhältnis von Angebot und Nachfrage verändern sich laufend – und sie beeinflussen, wie aktiv Käufer im Markt sind.
In Phasen mit tiefen Zinsen und hoher Nachfrage sind Verkäufer klar im Vorteil: Die Finanzierbarkeit für Käufer ist besser, und die Bereitschaft zu kaufen ist höher. In Phasen mit steigenden Zinsen und unsicherem wirtschaftlichem Umfeld zögern Käufer länger, und die Verkaufsdauer steigt tendenziell an. Wer den richtigen Zeitpunkt für den Verkauf wählen kann, sollte diese Faktoren in seine Planung einbeziehen.
Saisonale Schwankungen
Auch innerhalb eines Jahres gibt es Schwankungen. Frühjahr und Herbst gelten in der Schweiz traditionell als die aktivsten Phasen auf dem Immobilienmarkt – in dieser Zeit sind mehr Käufer aktiv, und Besichtigungen lassen sich einfacher organisieren. Wer die Wahl hat, wann er sein Objekt inseriert, sollte das berücksichtigen. Ein Inserat, das mitten in den Sommerferien oder zwischen Weihnachten und Neujahr erscheint, erreicht weniger Interessenten als eines, das im März oder September lanciert wird.
Realistische Erwartungen als Grundlage
Die Verkaufsdauer einer Immobilie lässt sich nie exakt vorhersagen – aber sie lässt sich realistisch einschätzen. Ein erfahrener Immobilienmakler kennt die lokalen Marktbedingungen, weiss, welche Objekte sich schnell verkaufen und welche mehr Zeit brauchen, und kann Verkäufern eine ehrliche Einschätzung geben. Wer mit realistischen Erwartungen in den Verkauf geht, ist besser vorbereitet – und trifft auch dann die richtigen Entscheidungen, wenn es mal länger dauert als erhofft.
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