Vorbereitung auf Immobilienauktionen

Handbuch | Verkaufsprozess

In der Schweiz wechseln immer mehr Immobilien im sogenannten Bieterverfahren die Besitzerin oder den Besitzer. Besonders in Ballungszentren und gefragten Lagen hat sich diese Verkaufsform als Alternative zum klassischen Festpreisverkauf etabliert. Dabei geben mehrere Kaufinteressenten konkurrierende Gebote für ein Objekt ab – ähnlich wie bei einer Auktion. Für Verkäufer bietet das Verfahren die Chance, durch den Wettbewerb unter den Bietern einen möglichst hohen Preis zu erzielen. Für Käufer bedeutet es hingegen, dass sie sich gründlich vorbereiten müssen, um im richtigen Moment das passende Gebot abzugeben. Ob man ein Haus oder eine Wohnung kaufen möchte – wer am Bieterverfahren teilnimmt, sollte den Ablauf kennen und seine Finanzen im Griff haben. Dieser Beitrag erklärt, wie Immobilienauktionen funktionieren und wie sich beide Seiten optimal darauf vorbereiten.

Was ist ein Bieterverfahren und wie läuft es ab?

Das Bieterverfahren ist eine strukturierte Verkaufsform, bei der kein fester Verkaufspreis vorgegeben wird. Stattdessen erhalten Kaufinteressenten die Möglichkeit, innerhalb eines klar definierten Zeitrahmens Gebote abzugeben. Anders als bei einer Zwangsversteigerung einer Immobilie in der Schweiz handelt es sich um einen freiwilligen Verkauf, bei dem der Eigentümer das höchste Gebot nicht zwingend annehmen muss.

Der typische Ablauf in der Schweiz

Das Verfahren beginnt in der Regel mit der Veröffentlichung eines ausführlichen Exposés, das alle relevanten Informationen zum Objekt enthält. Häufig wird ein unverbindlicher Richtpreis angegeben, der den Interessenten als Orientierung dient. Nach einer gemeinsamen oder individuellen Besichtigung geben die Kaufinteressenten in einer ersten Runde ein verdecktes Erstgebot ab. In der zweiten Runde erfahren die Bietenden das aktuelle Höchstgebot und können ihr Angebot nachbessern. In der Praxis gibt es meist zwei bis vier Bieterrunden, wobei die genaue Anzahl vorab festgelegt und kommuniziert wird.

Nimmt der Verkäufer ein Gebot an, folgt – wie bei jedem anderen Immobilienverkauf – die Unterzeichnung des Kaufvertrags beim Notar und anschliessend der Eintrag im Grundbuch. Erst damit wird die Transaktion rechtlich verbindlich. Bis dahin sind die abgegebenen Gebote für beide Seiten unverbindlich. Wichtig zu wissen: Der Verkäufer muss nicht zwingend das höchste Gebot akzeptieren. Auch Faktoren wie die Zahlungsmodalitäten, die Flexibilität beim Übernahmetermin oder schlicht die persönliche Sympathie können bei der Entscheidung eine Rolle spielen.

Für welche Objekte eignet sich das Verfahren?

Das Bieterverfahren entfaltet seine Stärken vor allem bei Objekten mit hoher Nachfrage. Dazu gehören Liegenschaften in beliebten Stadtlagen, gut erhaltene Einfamilienhäuser in der Agglomeration oder besonders attraktive Luxusimmobilien. Auch für Erbengemeinschaften, die eine geerbte Immobilie zügig und zum bestmöglichen Preis veräussern möchten, kann das Verfahren eine sinnvolle Option sein.

Weniger geeignet ist das Bieterverfahren hingegen für Objekte in weniger gefragten Regionen, für Liebhaberobjekte mit einem sehr kleinen Käuferkreis oder für Immobilien im unteren Preissegment. Hier fehlt in der Regel der nötige Wettbewerb unter den Bietenden, um den Preis in die Höhe zu treiben. Wer in solchen Fällen seine Immobilie verkaufen möchte, fährt mit einem klassischen Verkauf über einen festen Angebotspreis meist besser.

Vorbereitung für Verkäufer

Der Erfolg eines Bieterverfahrens steht und fällt mit der Vorbereitung. Verkäufer, die sich sorgfältig auf den Prozess einstellen, erhöhen ihre Chancen auf ein optimales Ergebnis deutlich.

Bewertung und Unterlagen

Am Anfang steht eine professionelle Immobilienbewertung, um den realistischen Verkehrswert des Objekts zu kennen. Darauf aufbauend lässt sich ein Richtpreis festlegen, der etwas unter dem Marktwert liegen sollte, um möglichst viele Interessenten anzuziehen. Ebenso wichtig ist ein hochwertiges Verkaufsdossier. Dieses sollte folgende Elemente enthalten:

  • Eine detaillierte Objektbeschreibung mit Angaben zu Lage, Grösse, Baujahr und Zustand
  • Professionelle Fotos und idealerweise einen virtuellen Rundgang
  • Einen aktuellen Grundriss mit Quadratmeterangaben
  • Den Grundbuchauszug sowie die Baupläne und den Situationsplan
  • Einen klaren Hinweis, dass es sich um ein Bieterverfahren handelt, inklusive Angaben zum Ablauf, zur Anzahl der Bieterrunden und zu den Fristen

Je vollständiger und professioneller die Unterlagen, desto grösser das Vertrauen der Interessenten – und desto höher in der Regel auch die Gebote.

Professionelle Unterstützung

Ein Bieterverfahren ist aufwendiger als ein klassischer Verkauf. Die Organisation der Besichtigungen, die Kommunikation mit den Bietenden und die rechtliche Abwicklung erfordern Erfahrung und zeitlichen Einsatz. Deshalb empfiehlt es sich, einen erfahrenen Immobilienmakler beizuziehen, der auf dieses Verfahren spezialisiert ist. Er übernimmt die Erstellung des Exposés, steuert den gesamten Prozess und sorgt für einen transparenten und fairen Ablauf. Auch die Festlegung der Maklerprovision in der Schweiz sollte vorab klar geregelt werden, da sie bei einem Bieterverfahren denselben Grundsätzen folgt wie beim herkömmlichen Verkauf.

Vorbereitung für Käufer

Nicht nur Verkäufer, auch Kaufinteressenten sollten sich gezielt auf ein Bieterverfahren vorbereiten. Der Wettbewerb unter den Bietenden kann den Preis rasch in die Höhe treiben – wer unvorbereitet einsteigt, riskiert emotionale Fehlentscheidungen.

Finanzierung frühzeitig sichern

Der wichtigste Schritt für Käufer ist die frühzeitige Klärung der Finanzierung. Wer bereits vor der ersten Bieterrunde über eine Finanzierungsbestätigung der Bank verfügt, kann schneller und glaubwürdiger ein Gebot abgeben. Dabei ist es ratsam, gemeinsam mit der Bank oder einem Finanzberater ein klares Budgetlimit festzulegen. Dieses Limit sollte auch unter dem Druck mehrerer Bieterrunden nicht überschritten werden. Fragen rund um die Tragbarkeit der Hypothek und das nötige Eigenkapital für den Hauskauf in der Schweiz sollten im Vorfeld vollständig geklärt sein.

Ebenso empfiehlt es sich, das Objekt vor der Gebotsabgabe möglichst genau zu prüfen. Dazu gehört nicht nur die Besichtigung vor Ort, sondern auch ein gründlicher Blick in die Verkaufsunterlagen und – falls möglich – eine eigene Einschätzung des Marktwerts der Immobilie. Wer den realistischen Wert kennt, kann besser einschätzen, bis zu welchem Betrag ein Gebot wirtschaftlich sinnvoll ist. Unterstützung durch einen unabhängigen Immobilienmakler oder einen Bewertungsexperten kann hier wertvolle Orientierung bieten und verhindern, dass man im Eifer des Gefechts über das Ziel hinausschiesst.

Abschliessend gilt: Ein Bieterverfahren ist weder für Verkäufer noch für Käufer ein Selbstläufer. Beide Seiten profitieren von einer sorgfältigen Vorbereitung, realistischen Erwartungen und im Idealfall von professioneller Begleitung. Wer diese Grundsätze beherzigt, kann das Bieterverfahren als das nutzen, was es im besten Fall ist – eine transparente und effiziente Methode, um im Schweizer Immobilienmarkt zum bestmöglichen Ergebnis zu kommen.

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